Fachinformationen zum Thema Holzschutz

Holz ist ein Naturbaustoff, der dem natürlichen Kreislauf von Wachstum und Verfall unterliegt. Beim Einsatz von Holz als Baustoff soll dieser durch künstliche Eingriffe unterbrochen werden und alle holzzerstörenden Einflussfaktoren weitestgehend ausgeschlossen werden.

Der natürliche Abbau der Holzsubstanz wird in erster Linie durch holzzerstörende Pilze und Insekten bewirkt, die im Volksmund auch als „Holzwürmer“ bekannt sind.

Was ist Holzschutz

Mit Holz, einem Naturmaterial mit natürlichen Eigenschaften, hat sich das Bauen schon immer bewährt – und umweltbewusst ist es obendrein. Sobald Holz im Innen- oder Außenbereich als Baustoff zum Einsatz kommt, muss dieses regelmäßig gepflegt werden. Nur so lässt es sich langfristig erhalten. Holzschutz bezeichnet alle Maßnahmen, die den Baustoff Holz vor schädigenden Einflüssen wie Pilzen, Insekten, Wasser und UV-Licht oder auch Feuer bewahren. Vermeintlich wird beim Holzschutz in erster Linie insbesondere an den Einsatz von chemischen Holzschutzmitteln gedacht. Holzschutz beginnt aber bereits in der baulichen und konstruktiven Phase: mit der Holzartenauswahl, dem Zuschnitt und weiteren Maßnahmen der Holzpflege.
Der Holzschutz ist – weil er bei Unterlassung auch zu Gefahren führen kann – indirekt auch Bestandteil von Bauordnung (z.B. unter §3 (1) LBauO M-V – Abwehr von Gefahr).
Holzschutz für andere nicht statische Bauteile ist in der Regel auf den Bläue-/Wetterschutz beschränkt, zwar nicht gefordert aber im Sinne des Holzerhaltes ebenfalls wichtig. Dabei kommt es auf den richtigen Holzschutz an.

Chemische Holzschutzmittel und deren Einsatz

In Deutschland ist der Begriff „Holzschutzmittel“ nicht gesetzlich definiert. Das ist u.a. ein Grund für das umfassende Angebot an für Holzschutz angepriesener Präparate. Oft verfehlen die im Handel erhältlichen Produkte schlichtweg ihre Wirkung. Der fachgerechte Holzschutz verwendet Erzeugnisse, die immer biozide (abtötende) Wirkstoffe enthalten. Diese Holzschutzmittel sind Bestandteil des regelmäßig aktualisierten Holzschutzmittelverzeichnisses des Deutschen Instituts für Bautechnik DIBT. Das Holzmittelverzeichnis wird durch amtliche Materialprüfanstalten in ihrer Wirksamkeit, durch das Umweltbundesamt auf umweltschädliche und durch das Bundesamt für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin auf gesundheitsgefährdende Beeinträchtigungen geprüft. Bei fachgerechter Anwendung bestehen bei diesen Mitteln folglich keine gesundheitlichen Gefahren – und auch rechtlich sprechen keinerlei Argumente gegen deren Verwendung.
Das Problem ist vielmehr die unsachgemäße Verwendung dieser Mittel durch nicht dafür qualifizierte Betriebe und die Verwendung von undefinierbaren Holzschutzmitteln durch den Heimwerker. Ohne den nötigen Sachverstand werden vielfach Holzschutzmittel oder solche, die sich so nennen, unnötig oder an falscher Stelle verwendet. Zum Einsatz kommen Frassgifte (z.B. Borsalze), Gifte die auf das zentrale Nervensystem der Käferlarven wirken (z.B. Permethrin) und seit neuestem sogenannte Schlupfverhinderer, die auf die Chitinsynthese der Larven bei der Häutung wirken (z.B. Flufenoxuron).
Auch frühere Holzschutzmittel, die insbesondere auf dem Gebiet der ehem. DDR noch bis 1990 eingesetzt wurden und die u.a. DDT, Lindan oder PCP enthielten, müssen fachgerecht beurteilt werden. Diese Stoffe stehen im Verdacht gesundheitsschädliche Folgen zu haben und sind deshalb laut Richtline verboten bzw. in der Verwendung eingestellt. Eine seriöse Analyse von Hölzern, die mit diesen Mitteln behandelt wurden, kann Sanierungskosten oder vorhandene Ängste reduzieren. Nicht in jedem Fall muss das behandelte Holz Folge von aufwendiger Sanierung, Abriss oder gar gesundheitlichen Beschwerden werden. Eine fachgerechte Auswertung verschafft in jedem Fall Klarheit.

Holzschutz ja oder nein?

Holzschädlinge richten, wie der Name schon vermuten lässt, erhebliche Schäden an. Damit der Werkstoff Holz nicht in kurzer Zeit ruiniert wird, muss dieses gepflegt werden. Ein umfangreicher Holzschutz kann nur gewährleistet werden, wenn vorerst alle baulichen Maßnahmen durchgeführt werden. Erst dann sollten chemische Holzschutzmittel eingesetzt werden.

Technische Grundlage für den geforderten vorbeugenden Holzschutz aller tragenden und aussteifenden Bauteile sind die Normen DIN 68800, Teile 2 und 3, die in Mecklenburg-Vorpommern bauaufsichtlich eingeführt sind und folglich eingehalten werden müssen. Ein Unterlassen ist als Abweichung vom Regelwerk zu werten und nur nach Zustimmung der Bauaufsichtsbehörde im Einzelfall möglich.

Der bekämpfende Holzschutz am bereits verbauten Holz ist nach Teil 4 o.g. DIN geregelt. Dieser Teil der Norm ist aber nicht bauaufsichtlich eingeführt. Deshalb ist immer im Einzelfall durch den Sachkundigen die Notwendigkeit solcher Maßnahmen zu beurteilen – nicht unnötig sollen Wirkstoffe freigesetzt werden. Die meisten der im Holzschutzmittelverzeichnis aufgelisteten Holzschutzmittel dürfen nur durch sachkundige Fachbetriebe über Gefahrstoffverordnung ausgebracht werden.

Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser

Der Baustoff Holz erfreut sich innen und außen aufgrund seiner einzigartigen Eigenschaften zunehmender Beliebtheit. Deshalb sollte einem richtigen Holzschutz auch mehr Bedeutung zugemessen werden. Ein typischer Irrglaube ist, dass bunt gefärbtes Holz dem Holzschutz dient. Meist zu spät werden die Schäden auch an diesem sichtbar. Eine einfache, kostengünstige Sachverständigen-Analyse schafft Vertrauen und gibt nötigenfalls Anlass für Nacharbeiten.

Zukunft

Der Baustoff Holz erfreut sich innen und außen auf Grund seiner einzigartigen Eigenschaften zunehmender Beliebtheit. Deshalb sollte einem richtigen Holzschutz auch mehr Bedeutung zugemessen werden. Den vielfachen möglichen Varianten des baulichen Holzschutzes wird dabei mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden müssen, aber auch der chemische Holzschutz ist nicht überall unverzichtbar.

Das dabei die Umwelt und die Gesundheit nicht zu kurz kommt und die Mittel und deren Anwendung nur noch in sachkundigen Händen liegt, wird hoffentlich die deutsche Variante der EU-Biozid-Richtlinie sichern, die gegenwärtig erfolgt.

Holzschädlinge

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Holzschäden

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Weitere Schadenseinflüsse

Neben der Gefährdung der Holzkonstruktionen durch Pilz- und Insektenbefall, die etwa 85 % aller Holzschäden verursachen, führen folgende weitere Einzugsfaktoren zu Holzschäden:

  • Mechanische Überbelastungen (4 %)
  • Feuer und hohe Temperaturen (10 %)
  • Chemische Einflussfaktoren (insbesondere in Industrie- und Lagergebäuden: Säuren, Basen, Salze, aggressive Dämpfe)
  • Witterungseinflüsse (UV-Strahlung, Wärmestrahlung, Wechsel von Trockenheit und Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen)

Vorbeugender und bekämpfender Holzschutz

Erste und wichtigste Forderung des Holzschutzes ist es, Holzbauwerke so zu konstruieren, dass die natürlichen Wachstumsbedingungen für Pilze und Insekten in mindestens einer lebensnotwendigen Voraussetzung ausgeschlossen werden.

Diese Wachstumsvoraussetzungen sind:

  • O= organische Substanz, die als Nahrungs- und Entwicklungsgrundlage für die holzzerstörenden Pilze und Insekten dient.
  • F= Feuchtigkeit
  • T= Temperaturen, die für eine Pilz- oder Insektenentwicklung ausreichend sind
  • I= Infektion durch Sporen, Myzel oder Eiablage

 

Die Einwirkung von Feuchtigkeit (F) ist auszuschließen durch fachgerechte Ausführung von Holzkonstruktionen bei Einhaltung der Regeln der Technik und Vorschriften für den Holzeinbau durch konstruktive und bauphysikalische Maßnahmen. Technische Maßnahmen zur Ausschaltung der weiteren Wachstumsvoraussetzungen Temperatur und Infektion sind kaum möglich.
Die für den Menschen wohlige Temperatur (T) in Gebäuden liegt im günstigen Entwicklungsbereich für holzzerstörende Pilze und Insekten. Bei Temperaturen von + 5°C bis + 35°C sind Aktivitäten der Holzzerstörer möglich sind. Bedeutung gewinnt die Temperaturempfindlichkeit von Pilzen und Insekten für die Bekämpfung durch das Heißluftverfahren. Bei Temperaturen von über 55° C können sowohl Pilze als auch Insekten abgetötet werden.

Eine Infektion (I) kann in der Praxis ebenfalls nicht ausgeschlossen werden, da die Sporen von holzzerstörenden Pilzen allgegenwärtig sind. Aufgrund der geringen Größe und hohen Zahl von entwicklungsfähigen Pilzsporen (ca. 8 Milliarden Pilzsporen in 1 cm³), die sich durch natürliche Luftbewegungen überallhin ausbreiten, kann eine Pilzinfektion durch baukonstruktive Maßnahmen nicht verhindert werden. Auch der Flug der holzzerstörenden Insekten zur Eiablage auf dem Holz gehört zu den natürlichen Lebensumständen und kann eventuell in gewissem Umfang eingeschränkt, aber nicht vollständig verhindert werden. Eine zusätzliche Belastung kann beim unsachgemäßen Umgang mit geschädigtem Holz und Schadmaterial eintreten, wenn es nach dem Ausbau nicht gesondert geschützt gelagert oder vernichtet wird.
Die organische Substanz (O) als abbaufähigen Nährboden ist eine weitere Wachstumsvoraussetzung für holzschädigende Pilze und Insekten. Sie kann prinzipiell auf zwei Wegen ausgeschlossen werden:

a) In gefährdeten Bereichen wird kein Holz eingebaut.
b) Das Holz wird durch chemische Holzschutzmittel vergiftet und ist damit durch Pilze und Insekten nicht mehr abbaubar.

Anwendung chemischer Holzschutzmittel

Die Anforderungen an einen sachgerechten Holzschutz sind mit unserem gewachsenen Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein enorm gestiegen. Chemische Holzschutzmaßnahmen sind immer dann erforderlich, wenn ein vorhandener Befall durch holzzerstörende Insekten oder Pilze bekämpft werden muss oder ein vorbeugender Materialschutz im Interesse der Sicherheit der Konstruktion erforderlich ist. Diese gesetzlichen Forderungen zur Durchführung von Holzschutzmaßnahmen sind in den Landesbauordnungen und in den einschlägigen Normen, wie DIN 68 800-1:2011-10, festgehalten.
Die chemischen Holzschutzmaßnahmen sind immer als ergänzender Schutz zu den konstruktiven und bauphysikalischen Maßnahmen anzusehen. Chemischer Holzschutz ist nach DIN 68 800, Teil 3, für solche Holzteile notwendig, die die Standsicherheit des Bauwerkes gewährleisten. Dazu zählen u.a. Dachkonstruktionen, Deckenbalken und natürlich auch Fachwerkhölzer. Holz für tragende und aussteifende Konstruktionen muss zusätzlich zu den baulichen Schutzmaßnahmen auch durch chemische Maßnahmen geschützt werden, wenn es nicht ständig trocken in der Gebrauchsklasse GK 0 eingebaut ist.